Von Burgos nach Hornillos

Heute ist schon Mittwoch, das heißt ich bin eine Woche unterwegs!  Eine Woche mit total vielen Erlebnissen, Eindrücken und Ereignissen. Viel positives habe ich erlebt und eine Menge ganz liebe Menschen kennengelernt.
Wie zum Beispiel Josef. Diese Begegnung ist ganz besonders gewesen und nicht zu beschreiben.

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Aber es gibt auch eine Schattenseite…und das bin ich selbst. Es war klar, dass es schwer und anstrengend wird mit der Syringomyelie den Jakobsweg zu gehen.  Hatte ich doch Angst davor starke Schmerzen zu bekommen, Lähmungen oder ähnliches, haut mich doch was ganz anderes aus den Schuhen. Und das sprichwörtlich. Ich habe unter beiden Fersen riesengroße Blasen! Und das obwohl ich alles befolgt habe, was man tun soll damit es keine gibt.

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Von Burgos aus sind wir 10 km Richtung Tardajos gelaufen. Der Rucksack war gut zu tragen und das Wetter war auch gut. Nicht zu heiß, nicht zu kalt.

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Im Burgos habe ich für Lissy noch einen Rucksack kaufen können,  so dass sie ihr Futter und Wasser selber tragen kann. Ab der Hälfte der Strecke begannen meine Fersen zu Schmerzen, 500 m vor der Herberge hat uns dann ein netter Mann auf seinen Pickup geladen.

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Denn ich konnte keinen Schritt mehr gehen. Er hat uns direkt bis vor die Tür der Herberge gebracht, davor saßen natürlich schon andere Pilger!  Diese stürmten mir sofort zur Hilfe! Anton, eigentlich aus Argentinien und nun wohnhaft in Montserrat hat meine Blasen sofort verarztet.  Die übliche Vorgehensweise ist, dass man eine Nadel mit einem Faden durch die Blase sticht und den Faden als Drainage drin lässt, damit das Wasser ausfließt.  Pepe hat dann noch etwas darauf geschmiert und es verbunden.

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Unsere Zelte dürften wir im kleinen Garten unter der Wäscheleine aufbauen. In der Nacht habe ich tief und fest geschlafen. Die Nächte hier sind aber immer noch total kalt! Werner hat mir seine Wolldecke gegeben, damit ich nicht friere. Am nächsten Morgen sind wir so etwa halb elf losgezogen, bei mir ging alles etwas langsamer. Guten Mutes sind wir losgelaufen!

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Wir hatten keine Karte, denn meine Reiseführer, welche ich dabei habe sind vom Küstenweg.  Und nun sind wir auf dem Frances. Aber man kann hier den Weg nicht verfehlen, überall sind Wegweiser. Was ich aber nicht wußte ist, dass wir mitten in die Meseta gelangen! Es soll einer der anstrengenden Strecken sein. Fast wie die Wüste. Kein Wasser. Kein Schatten.

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Zum Glück war es nicht so heiß und kühlender Wind war immer da. Eigentlich wollte ich diese Strecke auf jeden Fall meiden, wegen Lissy. Allerdings hat sie alles bis jetzt sehr gut gemeistert. Ich jedoch bekam schon am Anfang solche Schmerzen,  dass wir ganz oft Pause gemacht haben. Diese Zeit habe ich am meisten genossen! Ich habe so oft ans Aufgeben gedacht!  In der Pause habe ich mir mein Handy rausgeholt und Alex seinen Song gehört. Der Text ist in solchen Momenten phänomenal! Ich musste dran denken, wie er Im Beitrag zu mir sagte: „Wenn Heike denkt, es geht nicht mehr und keinen Bock mehr hat, dann hört sie vielleicht diesen Song und macht weiter!“ Ausserdem habe ich drüber nachgedacht,  wie viele mir Mut zugesprochen haben und gesagt haben:“ Du schaffst das, ich glaube an dich!“

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Ihr glaubt nicht, was das Kraft gibt! Bei der letzten Pause lief Kurt an uns vorbei. Eigentlich hatte ich so schmerzende Füße,  aber ihn musste ich einfach ansprechen. Fragt mich nicht warum…
Ich hab ihm gesqgt, er solle sich neben mich setzen und eine Rauchpause machen. Verdutzt fragte er, woher ich weiß,  dass er raucht 😀
Wußte ich nicht, auch nicht dass er aus Deutschland kommt und unsere Sprache spricht.  Er war nämlich der erste, der uns an dem Tag begegnet ist. Aber er sah halt so deutsch aus.

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Naja, endlich angekommen an der Albuerge in Hornillos hab ich die Schuhe ausgezogen und da sah man das Malheur. Die Blasengröße hat sich verdoppelt!

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Sonja, auch eine Pilgerin hat mich dann ganz selbstverständlich und total liebevoll neu verarztet und verbunden. Wir hatten richtig Glück.  Ganz viele deutsche waren an dem Abend in der Herberge! Und ich durfte mit Lissy im Garten zelten. Weil nur ein Zelt erlaubt ist, hat Werner im Bett geschlafen. So haben wir Sonja, Uli, Kurt und Oliver kennengelernt und sind gemeinsam essen gegangen. Es war ein lustiger, harmonischer Abend.

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Heute morgen bin ich dann kurz nach 6 aufgestanden,  dann gibt es Frühstück umd habe die anderen verabschiedet. Bei mir geht nix mehr. Werner habe ich mit Kurt geschickt, die beiden haben dann heute Nachmittag Quartier im nächsten Ort bezogen und alles für mich morgen organisiert. Ich fahre in der Früh mit dem Taxi nach, an dem Ort wird ein Arzt sein. Im Verlauf des heutigen Tages sind beide Füße noch ganz stark angeschwollen.

Heute habe ich dafür wieder sehr nette Menschen kennengelernt. TJ aus Südkorea. Er ist auch hier in der Herberge abgestiegen. Sein Freund und er Reisen 8 Monate durch die Welt, waren schon in verschiedenen Länder und gehen nun den Jakobsweg. Sie wollen zum Schluß nach Deutschland. Sie wollen unbedingt mal zum Oktoberfest.

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Als ich essen war, habe ich Lennard einfach mal wieder angequatscht. Er fragte gleich, woran ich sehe, dass er aus Deutschland kommt. Keine Ahnung,  uns deutschen erkennt man irgendwie.

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Lennard ist 19 und ist gestern in Burgos angekommen. Heute war also sein erster Tag. Am liebsten wäre er noch die ganze Nacht durch gelaufen. Aber die Meseta ist einsam und stockdunkel. So kam er auch in diese Herberge und nun sitzen wir gemeinsam im Garten.  Die ganze Zeit hat er liebevoll versucht ein Video, was ich erstellt hatte hochzuladen. Aber irgendwie habe ich da wohl was falsch gemacht.

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Es ist so schön,  dass Altersunterschiede auf dem Camino völlig irrelevant sind!
Von zuhause habe ich über Messenger und telefonisch auch schon Rat und Hilfe und Mitgefühl bekommen! Die zwischenmenschlichen Dinge sind im Moment das Schönste für mich auf diesem Abenteuer!
Was das ganze mental mit mir macht wollte ich heute eigentlich mal überlegen. Auch in dem Bezug darauf was es eigentlich für mich bedeutet schon wieder ausgehebelt zu sein und nicht mit den anderen mithalten zu können. Aber ich denke, dass habe ich erfolgreich verdrängt.  Irgendwann wird mich das bestimmt einholen. Dann schreibe ich darüber. Bei dem Tempo wie ich nur vorankomme, holen mich garantiert alle Gefühle ein. Aber solange genieße ich einfach.

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Kategorie Mein Jakobsweg
Autor

Fotografieren und Reisen, das sind meine Leidenschaften. Ständig neue Pläne im Kopf, jeden Tag neue Träume, eine unermüdliche Lust am Leben und Hummeln im Hintern…das bin ich.

8 Kommentare

  1. Bernd Hüsges

    Heike, Kopf hoch du schaffst das. Zeig uns allen das du das packst. Das mit den Blasen geht vorbei.

  2. Maria Wissing

    Heike morgen sieht die Welt wieder positiver aus. Wir bewundern Dich Alle. Gönne dir die verdiente Pause und mit frischer Kraft und frohem Mut wirst du es meistern.

  3. Heike. Was auch passiert, es geht NICHT darum das physische Ziel zu erreichen oder mit anderen mitzuhalten. Der Spruch hat schon einen laaaaangen Bart, aber „Der Weg ist das Ziel“.
    Je schwerer dein Weg sich darstellt, umso richtiger ist er. Dadurch zeigt sich ein unumstößlicher Wille der dich über alle menschlichen Grenzen hinauswachsen lässt.
    Deine geschundenen Füße sind NUR eine weitere Hürde. Nimm sie an. Akzeptiere sie. Aber dann ist die Zeit gekommen, sie zu überwinden.
    Hör auf den Arzt, pausiere etwas und zieh weiter dein Ding durch. Du bist ein tolles Vorbild und sehr viele Menschen ziehen den Hut vor dir.
    Mach weiter. Geh weiter!

    Du kannst ALLES schaffen. Alles.

    Liebe Grüße,
    Twice

  4. Andreas Tietz

    Aua aua, mir tun die Füße aus Solidarität gleich mit weh… die Attacke kam aus unvermuteter Richtung. Aber wenn ich mir die Bilder so ansehe, dann würd ich dir am liebsten hinterher reisen und mitgehen… Am schönsten finde ich aber die unglaubliche Hilfsbereitschaft und Offenheit der Menschen auf die du triffst. Sie sind so, weil du selbst so bist, davon bin ich überzeugt!

  5. Ihr seid alle sooooo klasse! Ihr glaubt an mich und treibt mich damit voran und das tut gut!

  6. Mandraguas

    Ich habe grad leichte Ambitionen, mal eben auf’n Kaffee bei Dir rumzukommen – weil ich denke, Du solltest vielleicht versuchen einige Dinge anders zu reflektieren und nicht allzu streng mit Dir ins Gericht gehen, mit all den hochgesteckten Zielen, die ich plötzlich hier lese.
    Ja, natürlich, Du hast Dir immer das große ganze Ziel gesetzt – wolltest nicht von Anfang an schon kuschen und kleine Brötchen backen nur wegen Deiner Krankheit, aber Du hast schon vor dem Aufbruch gesagt: „Auch wenn ich mir DAS Ziel stecke, ist mir bewußt, dass ich es wahrscheinlich nicht erreichen werde.“
    Also verzweifel nicht daran! Denn Tatsache ist: DU BIST DA – Du bist tatsächlich auf dem Jakobsweg und verwirklichst Deinen Traum – auch wenn es nur wenige Kilometer sind – so hast Du es in die Tat umgesetzt und bist damit viel weiter, als so manch anderer, der nur depressiv und jammernd in seiner Krankheit versinkt.
    Und jeden Tag kommst Du ein Stück weiter – jeder Tag, der hinter Dir liegt, ist eine Erinnerung, eine Erfahrung, die Dir niemals mehr genommen werden kann.
    Der Weg ist das Ziel, und ja, dieser Weg prüft und prägt ganz bestimmt das Leben, nachhaltig.
    Also, verzweifel nicht 🙂
    Und sag mir Bescheid, wenn wir beide wieder mal einen Kaffee trinken müssen !!!!

  7. Hallo Heike,
    ich hoffe das es deinen Füssen wieder besser geht.
    Lasse dir Zeit.
    Du wirst dein Ziel bestimmt erreichen.
    Du bist eine tolle Frau.
    Von deinem Kampf können sich viele etwas abschneiden.
    Ich drücke dir alle Daumen
    das deine Wünsche in Erfüllung gehen und freue mich schon auf deinen nächsten Bericht.

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