Oh Portugal, Schicksalsland…

… nicht nur für die Franzosen, die mit ungläubigen Mienen das Scheitern ihrer Mannschaft in den letzten Spielminuten bei der Fußball-EM verfolgten. Wat, EM, die is doch schon lange um, wird nun mancher mit Blick auf das Datum dieses Blogeintrages sagen, und mit recht. Aber das hiesige mobile Internet weist teilweise unterirdische Datenraten auf und zwang uns über Tage zur Abstinenz. Wir nahmen es mit Fassung und genossen unseren Urlaub mal ganz analog. Blicken wir also noch einmal auf diesen Abend, der für die Fußballbegeisterten unter unseren französischen Gastgebern so dramatisch wie tragisch endete. Wir hatten uns mit einem beträchtlichen Teil der übrigen Campingplatzbewohner in der Bar eingefunden, um das Endspiel gegen die Portugiesen zu verfolgen. Obwohl ihnen die Enttäuschung anzusehen war, nahmen die Menschen die Niederlage des französischen Teams mit Fassung. Respekt!

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Schön war´s auf dem kleinen aber feinen Campingplatz L´Esperanza, nur eines bleibt negativ in Erinnerung: Die Mücken! Kaum legt sich mit Einbruch der Dunkelheit die Abendbrise, fallen sie in Scharen über alles her, was sich noch draußen bewegt. Am ersten Abend erwischten sie und unvorbereitet auf dem Abendspaziergang mit den Hunden, entlang eines idyllisch verkrauteten Entwässerungsgrabens, in dem und im angrenzenden Binsendickicht wir viele Tiere beobachten konnten. Die Mücken sahen wir zunächst nicht. Sie attackieren nicht nur die nackte Haut sondern stechen auch durch Hose und T-Shirt. Eh ich begriff was los ist hatte ich schon fünf oder sechs Stiche kassiert, auch Heike blieb nicht verschont. Während die Kaschubin meinte, ich solle mich nicht so anstellen, legte ich den Rest des Weges zum Camper eher fluchtartig und um mich schlagend zurück. Als die Stiche sich aber am Folgetag zu sehr stark juckenden, großen Quaddeln und großflächig geröteten Stellen entwickelten, die wir mit Salbe nach behandeln mussten, gab sie mir recht: das sind ganz besondere Mistviecher. An den folgenden Abenden wappneten wir uns daher mit entsprechenden Mittelchen und verkrochen uns frühzeitig in den Camper. Sicher ist sicher.

Portugal – etwas Besonderes aber auch für mich – mein Traumland der 90er Jahre, das ich so lange nicht mehr bereist habe. Wann werde ich wieder den Duft der Eukalyptusbäume riechen? Ihr ahnt es schon – unser Fernziel Portugal haben wir aufgegeben – zumindest für diesen Urlaub. Es gibt mehrere Gründe dafür: Zum einen ist es noch sehr weit bis dorthin, eine Strecke, die wir schließlich auch wieder zurückfahren müssen, was Sprit kostet usw. Nicht dass unser Nugget ein Säufer wäre – deutlich unter 10 Liter braucht der olle Diesel, und das bei Vollgas und voller Beladung. Nein, es ist die Zeit, die uns zu kostbar ist. Und da ist auch noch meine Angst, ein völlig verändertes Portugal vorzufinden, das meine Erinnerungen trüben könnte. Ich weiß, das ist Unfug, aber solche Gedanken treiben mich um.

Kurzum, Heike (die Kaschubin) und ich haben beschlossen, in Frankreich zu bleiben. Es ist ein Land, das wir beide erst sehr wenig kennen und gerne besser kennen lernen würden. Somit haben wir ein Urlaubserlebnis, das wir miteinander teilen können, ohne das einer von beiden durch Vorerfahrungen beeinflusst wäre. Und schließlich ist das Land riesig. Man könnte ein Leben damit zubringen, es zu bereisen. Wir aber haben noch zwei Wochen, und in denen soll es nun erst mal, nachdem wir vier Tage in Fouras verbracht haben, weiter gen Süden gehen, durch das alte Aquitanien bis nach Bordeaux. Heike möchte sich gerne die Stadt ansehen, und wer weiß was wir noch alles entdecken. Vielleicht machen wir einen Abstecher nach Arcachon, wer weiß. Dann werden wir umkehren und Richtung Bretagne fahren. Diese Region ist Heikes absolutes Traumland, seit wir im letzten Jahr ein paar Tage dort verbrachten. Sie möchte nun mehr sehen davon, weiter nördlich Richtung Quimper und Brest vorstoßen, in Landstriche, von denen sie schon viel gelesen hat und die sie magisch anziehen.

Und Portugal? Im nächsten Jahr, dann mit neuer Streckenplanung und festgelegten Etappen. Und mit einem gründlich auf Herz und Nieren durch gecheckten Nugget. Unser Schneckenhaus ist uns sehr ans Herz gewachsen, und wir wollen auf keinen Fall riskieren, dass er sich durch unsere Nachlässigkeit ein Achslager klemmt oder eine Lenkung knickt. Er ist ja schon ein alter Herr, und zwar ein sehr gutmütiger!

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