Alle Artikel von Heike Thomese

Eine ganz besondere Landschaft

Aufbruch ins Reservat

Nun sind wir also wieder mal unterwegs mit unserem ollen Ford Nugget. Vielleicht wird es seine letzte große Tour – im Juni steht der Tüv-Termin an und es ist so gut wie ausgemacht, dass er die Hauptuntersuchung zumindest nicht beim ersten Mal bestehen wird. Der Rost nagt heftig an allen Ecken, und jene Stellen am Unterboden, die einer der Vorbesitzer eher dilettantisch mit Glasfasermatten „repariert“ hatte, dürften das besondere Misstrauen der Prüfer erregen. Hinzu kommt der schwachbrüstige Motor, dem wir vielleicht eine neue Dieselpumpe spendieren müssen, um ihn einigermaßen wieder auf Trab zu bringen. Kurzum: Der Oldie verlangt in seinem 30-sten Jahr nach der Montage nach beträchtlichem Reparaturaufwand und ebensolchen Investitionen, und so lieb wir ihn gewonnen haben, so überlegen wir doch ob diese Investitionen nicht besser bei einem neueren, etwas größeren Campingmobil aufgehoben wären. Eine endgültige Bestandsaufnahme steht aber noch aus, und ebenso die Entscheidung über die Zukunft des Nugget.

Reisen als Therapie

Also schwangen wir uns auf die Achsen, wer weiß wie lange es noch geht. Aber das wir genau jetzt, Mitte April, bei nicht eben sommerlichen, ja nicht einmal frühlingshaften Temperaturen losgefahren sind, hatte noch einen anderen, viel wichtigeren Grund. Es bahnte sich schon in den vergangenen Wochen an: Heike wurde zunehmend dünnhäutiger, gereizter, unzufriedener, auf Krawall gebürstet. Man verwendet ja dafür gerne die Metapher von der Fliege an der Wand, die als Auslöser für handfesten Knatsch sorgt. Bei uns manifestiert sich diese „Fliege“ vor allem in Gestalt von Brotkrümeln auf der Anrichte oder im Spülbecken. Wenn Heike sich mehr als zweimal am Tag darüber aufregt, wird es Zeit etwas zu unternehmen, und das meine ich nicht ironisch. Ich könnte natürlich die Krümel auch einfach öfter mal weg machen, aber das würde das Grundproblem nicht lösen – hier ist nun wieder feine Ironie im Spiel.

Die kaschubische Seele

Das alles hat mit Heikes ihren kaschubischen Wurzeln zu tun – wem dieser Zusammenhang neu ist, dem empfehle ich dringend die Beiträge aus dem vergangenen Jahr zu lesen, als wir mit unserem Nugget auf Frankreich-Tour waren. Ich kann die Details ja nicht immer wiederholen, werde sie aber der Übersichtlichkeit halber mal in einem eigenen Text zusammenfassen und diesen dann ggf. verlinken. In der abgelegenen und natürlich fiktiven Hochgebirgsregion, aus der Heikes ebenso fiktive Vorfahren stammen, die als Begründung für ihre gelegentlich seltsamen Verhaltensweisen herhalten müssen, sind die Frauen es nun mal nicht gewohnt, dass sich ihre Männer im Hause aufhalten. Die Nichtsnutze treiben sich entweder in der Weltgeschichte herum, wo sie mit ihren albernen Jobs für den Unterhalt der Familie sorgen, oder sie lümmeln auf der Straße herum, wo sie vorgeben, sich von eben diesen Jobs erholen zu müssen. Jetzt stellt euch vor, so ein Nichtsnutz würde die ganze Zeit auch noch im Haushalt seines kaschubischen Weibes herumlungern, so tun als würde er von dort aus arbeiten und überall seine Krümel hinterlassen. Genau. Das geht nicht lange gut – jedenfalls nicht, ohne Kompensation. Denn das kaschubische Weib ist, anders als sein Lebenspartner, den allein der Beruf notgedrungen in weite Ferne treibt, durchaus abenteuerlustig – es muss ja sonst meistens zuhause bleiben.

Ziel gesucht – und gefunden!

Der langen Rede kurzer Sinn: Die beste Möglichkeit, wieder für mehr Harmonie im Zusammenleben zu sorgen, ist ein kleines Abenteuer, und deshalb schlug ich Anfang April, nach einem Blick auf meinen Terminkalender vor, in der Woche nach Ostern in einen Kurzurlaub aufzubrechen. Der Erfolg stellte sich beinahe sofort ein: Heikes manchmal schon ans Miesepetrige grenzende Stimmung verwandelte sich schlagartig in freudige Erwartung, die Krümel nervten sie nur noch einmal am Tag, und mit Elan widmete sie sich der Suche nach einem geeigneten Reiseziel. Das durfte aufgrund der Kürze des Urlaubs natürlich nicht allzu weit entfernt liegen, und nach weiteren Überlegungen entschieden wir uns für Holland. Doch wohin – nach Zeeland vielleicht oder ans Ijseelmeer? Mir fiel ein, dass ich in den späten 1990er Jahren mal im Nordholländischen Dünenreservat war. Es liegt grob gesagt zwischen Beverwijk im Süden und Bergen aan Zee im Norden, bietet mit seiner ganz speziellen Landschaft und Natur ideale Möglichkeiten zum Radeln, Wandern und Fotografieren, und gerade die beiden Letztgenannten gehören zu Heikes Leidenschaften. Schnell war ein geeigneter Campingplatz nahe der Ortschaft Castricum gefunden und gebucht, Camping Geversduin, gut ausgestattet, sehr schön mitten im Reservat gelegen, auch vom Preis her akzeptabel und auf Hundebesitzer eingestellt. Denn natürlich wollten wir unsere beiden Hundedamen Lissy und Gina nicht zuhause lassen.

Vor der Entspannung steht der Stress

So weit, so gut. Dennoch gerieten die Tage vor der Abfahrt für mich noch einmal zur Nervenprobe. Denn natürlich kann Heike auch in einen Kurzurlaub nicht ohne ausführliche, geradezu generalstabsmäßige Vorbereitung aufbrechen. Im Geiste höre ich in diesem Moment Heike sagen: „Du hättest doch wieder die Hälfte vergessen“ und „Es ist doch schön, in ein sauberes, aufgeräumtes Zuhause zurückzukehren“, und mit beidem hat sie vermutlich recht. Aber die Art und Weise, wie sie ihren Vorstellungen Geltung verschafft, kann doch ganz schön anstrengend sein, vor allem wenn sie mit Vorwürfen handwerklicher Unfähigkeit und Faulheit verknüpft sind. Ich sage mir dann immer: Der Urlaub wird es schon richten. Augen zu und durch.

Ich muss gestehen: Natürlich hat sie auch hier nicht ganz Unrecht. Ich bin mindestens so faul wie sie, und das ich nicht der geborene Handwerker bin, war mir schon immer klar. Obwohl ich einen Metallberuf erlernte und ein wenn schon nicht herausragender, so doch ganz passabler Werkzeugmacher wurde, ja sogar gelegentlich dem Hobbymodellbau fröne, hatte ich mit FREIWILLIGER Handarbeit nie viel im Sinn. Schon gar nicht in Haus und Garten. Ich habe weder die Geschicklichkeit dafür noch das Verlangen danach. Zwei linke Hände oder, wie mein Vater früher immer mutmaßte: Ein fauler Sack der seine Unfähigkeit nur vorschützte um von lästiger Arbeit entbunden zu werden. Das ist natürlich Quatsch, auch wenn Heike gelegentlich argwöhnt, er könne recht gehabt haben. Ich bin ein Mann der Theorie und des Wortes, der sich im Geiste in fernste Galaxien und kleinste Dimensionen zu bewegen vermag, aber zu blöd ist einen Nagel gerade einzuschlagen. Dazu stehe ich, auch wenn das nicht in manch tradiertes Männerbild passen will.

Der Träger der Räder

Heike ist in solchen Belangen erheblich praktischer veranlagt, was vor allem dann zu Zusammenstößen führt, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlt. Ich will das am Beispiel des Fahrradträgers verdeutlichen, den wir uns aus unerfindlichen Gründen unbedingt vor der Abreise noch zulegen wollten. Wir fanden über das Internet so ein Teil, das man auf die Anhängerkupplung montieren kann, für kleines Geld und kauften es. Die Montage erwies sich aufgrund der besonderen Verhältnisse am Nugget (sehr kurzer Haken = wenig Platz) als nicht ganz einfach, aber was ich gar nicht auf dem Schirm hatte war, dass die Befestigung der Räder auf dem Träger selbst zum Problem werden könnte. Ich war davon ausgegangen, dass die Konstruktion universell verwendbar wäre und sich auch Doofen sofort erschließen würde – zumindest hätte ich sie so gemacht. Nun ja. Definiere „doof“. Die Situation am Morgen der Abfahrt, als wie die Räder aufladen wollten, könnt ich euch vorstellen. „Ich dachte du hättest das ausprobiert“, schnaubte Heike und ich dachte bei mir, das ich das auch getan hätte wenn ich geahnt hätte das hier ein Problem vorliegen könnte, sagte das aber nicht, weil es Blödsinn war, denn man probiert ja etwas aus um festzustellen ob es ein Problem gibt. Nichtsnutz. Ferne Galaxien. Wir haben es aber hingekriegt, und natürlich war es Heike, die als erste das Befestigungsprinzip verstanden hatte. Dass wir die Räder im Urlaub kaum benutzen werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber immerhin waren wir nun unterwegs!

Aprilnächte sind kalt!

Nun haben wie also unseren Stellplatz auf dem Campingplatz Geversduin bezogen. Es gibt hier einen eigenen Bereich für Hundehalter, mit Gassi-Pfad und Hundekot-Beutel-Spender. Wir haben einen Standort direkt gegenüber einem Sanitärgebäude erwischt, wo es rund um die Uhr heißes Wasser gibt. Erfahrene Camper mit Kenntnissen südeuropäischer Gegebenheiten wissen, dass dies ein besonderer Luxus ist. Toiletten und Duschen sind modern, sauber und gepflegt. Trotz der frühen Jahreszeit ist der Platz gut frequentiert: In Deutschland sind noch Osterferien, und das hört man allenthalben.

Die Hinfahrt haben wir in einem Rutsch und ohne besondere Ereignisse absolviert. Natürlich haben wir zuvor verschiedene Wetterdienste befragt, um uns auf die Witterung hier an der holländischen See einzustellen. Heike frohlockte, weil es hier tagsüber wenigstens ein paar Grad wärmer als im kalten Hagen sein sollte (was sich auch bewahrheitete) und auch mehr Sonnenschein war angesagt. Nun, diese Aussichten bereiteten uns aber nicht auf die Nachttemperaturen vor, die uns hier erwarteten und schon am ersten Abend den Wert einer weiteren kleinen Investition erwiesen, deren Bedeutung ich heute weit vor der des Fahrradträgers einschätzen würde. Es handelt sich um einen kleinen primitiven Elektro-Heizlüfter für schlappe 12 Euro, ohne den wir jämmerlich gefroren hätten. Es wird euch wahrscheinlich ebenso schwerfallen wie es uns schwergefallen ist, euch auszumalen, was Temperaturen um die drei Grad im Freien, an einem Campingtisch sitzend, tatsächlich bedeuten. Auch, dass die Situation im geschlossenen Campingbus kaum besser wurde – aber immerhin hielt der Wagen den Wind ab. Selbst die Hunde wollten AUF KEINEN FALL draußen schlafen, obwohl wir ihnen in der Hoffnung auf mehr Platz für uns selbst dort ein gemütliches Plätzchen eingerichtet hatten. Warum, das wurde mir sofort klar, als vor der Nase der Tiere selbst im Nugget noch Wolken kondensierenden Atems standen – und zwar verdächtig lange. Meiner vorsichtig vorgetragenen Befürchtung, dabei könne es sich möglicherweise um ein Bose-Einstein-Kondensat handeln, jenen seltsamen Aggregatzustand, den Materie kurz vor dem absoluten Nullpunkt annimmt, wies Heike natürlich brüsk zurück. Aber selbst der hartgesottenen Kaschubin wurde es allmählich kalt, und so kam der Heizlüfter zum Einsatz. Dank dieses kleinen Gerätes überstanden wir diese Nacht und die folgenden ohne Frostbeulen und abgesplitterte, weil infolge der Kälte tiefgefrorene Gliedmaßen.

Den Wanderer belohnt die Natur

Der Tag darauf entschädigte uns wenn schon nicht mit viel Wärme so doch mit viel Sonne, in der es sich dann zeitweise sogar ohne Jacke aushalten ließ. Nach dem Frühstück in unserem neuen, geräumigen Vorzelt hielt nichts mehr Heike davon ab, die Gegend zu erkunden. Ahnungslos sagte ich zu, sie dabei zu begleiten. Machen wir es kurz, damit es nicht nach einem Lamento klingt: Wir waren fast vier Stunden zu Fuß unterwegs, bewältigten dabei fast 12 Kilometer, was eigentlich nicht viel ist außer man verbringt ansonsten viel Zeit sitzend vor dem Computer. Es hat mich eigentlich überrascht, dass ich abgesehen von ein bisschen Rückenschmerz den Gewaltmarsch gut überstanden hab, auch wenn ich mir natürlich gelegentlich vorgetragenen schwachen Protest und leises Gejammer nicht verkneifen konnte. Ich muss aber zugeben, dass wir auf dem Marsch durch die Dünenlandschaft bis ans Meer viele tolle Aussichten, viel Natur und eine eindrucksvolle Landschaft gesehen haben.

Eine ganz besondere Landschaft

Das Dünenreservat ist Naturschutzgebiet und Nutzfläche in einem. Es besteht aus lichten Wäldern, bestehend aus Eichen, Kiefern, Birken, Ahornen und anderen Baumarten sowie vielen kleinen Lichtungen und größeren Grasflächen in den weiter vom Meer entfernten Zonen. Die strandnahen Dünenbereiche weisen hingegen eine niedrige gemischte Vegetation aus Gräsern, einigen wenigen Büschen und anderen niedrig wachsenden, salztoleranten Pflanzen auf. Die Wälder wirken durchaus urig: Abgestorbene Bäume und totes Holz werden nicht entnommen, sondern geben ihnen einen besonderen Charme. Tatsächlich sind einige Waldbereiche abseits der Wege beinahe undurchdringlich. Eine Besonderheit sind die Hochland-Rinder, die in einigen Bereichen des Reservates das ganze Jahr über fast wild und freilaufend leben. Sie fungieren als Landschaftsgärtner, weil sie durch ihre Beweidung auf natürliche Weise die Bäume in Schach halten und verhindern, dass diese alle freien Flächen bewachsen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist – Vegetarier und Veganer sollten jetzt zwei Zeilen überspringen – dass das Fleisch überzähliger Rinder in den umliegenden Restaurants landet: In Form von saftigen Steaks oder köstlichen Burgern (zu letzteren schreibt Heike etwas), alles natürlich absolut Bio. Ebenso gibt es auch wilde Pferde im Dünenreservat, die ein besonderes Schauspiel bieten: Wo sieht man solche Tiere schon, wie sie ungebändigt durch die Landschaft galoppieren und ganz Pferd sein dürfen.

Mosaik aus Land und Wasser

Süßwasserteiche durchziehen Teile des Reservates, auf und an denen viele verschiedene Vögel leben: Blessrallen, viele Entenarten, Schwäne, Gänse, zahllose Singvögel, Krähen, Dohlen, Fasane und eher hör- als sichtbar auch Spechte, die in den vielen abgestorbenen Bäumen ideale Nistmöglichkeiten finden. Auch Fische muss es in rauen Mengen geben, wenn man die Zahl der Kormorane zugrunde legt, die es hier gibt. Eine ganze Kolonie kann sich davon offenbar gut ernähren. Hunderte der schwarzen Vögel bevölkern laut schnatternd und krächzend die kleinen Gehölze in der Nähe der Wasserflächen, viele in der schon ikonischen Pose mit weit ausgebreiteten Flügeln, die sie auf diese Weise nach der Jagd trocknen. Genutzt wird das Dünenreservates aber nicht nur als touristische Attraktion für Urlauber und als Naherholungsgebiet für die Einheimischen aus den umliegenden Ortschaften, sondern vor allem zur Trinkwassergewinnung. Unter den Dünen, in ca. 70 Meter Tiefe, gibt es ein großes Süßwasserreservoir. Es entstand durch versickerten Regen, der vom Sand gereinigt und gefiltert wurde. Die Niederländer nutzen es seit jeher als Trinkwasser, aber da durch das Wachstum der Bevölkerung das vorhandene Wasser und der natürliche Nachschub auf Dauer nicht reicht, leitet man inzwischen Wasser aus der Ijssel und dem Rhein in das Dünenreservat und lässt es dort versickern. Pumpen fördern es wieder an die Oberfläche, wo es die Teiche sowie die Trinkwassernetze speist.

Auch Faulenzen gehört zum Urlaub

So ein Tag an der frischen Luft macht hungrig und müde, und so ließen wir den ersten Tag mit einem deftigen Abendbrot, bestehend aus diesem typisch holländischen, luftigen Brot (natürlich Vollkorn!) sowie verschiedenen im hiesigen Supermarkt eingekauften Wurst- und Käsespezialitäten ausklingen. Danach gab es vor dem Einschlafen noch eine gemütlichen Lesestunde im aufgewärmten Nugget. Während mir schon erste Formulierungen für den Blogtext, den ich zu Schreiben gedachte, durch den Kopf gingen, plante Heike schon voller Eifer ihre nächste Tour durch das Reservat. Davon wird sie selber schreiben.

Geschrieben von: Andreas Tietz

Gebt ihm eine Kippe

Ich habe den 13. Platz beim Fotomarathon in Düsseldorf gemacht. Ja, ein bisschen stolz macht mich das. Allerdings gibt es etwas, dass mich noch nachhaltiger beeindruckt, als die Veranstaltung und meine Platzierung. Es ist die Begegnung mit Marco (42), einem Obdachlosen aus Düsseldorf, mit dem ich diese Serie erstellt habe.

Teilgenommen haben wir (Tanja, Roswitha, Jörg und ich) aus reiner Neugier. Vorausgegangen war ein Fotomarathon mit dem VHS Fotoclub. Der war lustig und aufregend, aber die Ergebnisse eher mau.

Und nun wollten wir wissen, wie es bei einem professionellen Fotomarathon zugeht und wie wir uns dabei schlagen mit unseren Fotos.

Was ist ein Fotomarathon eigentlich? Es ist ein Tag voller Fotografie, Kreativität und irgendwie auch Stress. Morgens reisen alle an und keiner weiß, was er im Laufe des Tages fotografieren wird. Denn das Oberthema sowie die Unterthemen werden erst zu Beginn des Marathons bekanntgegeben. Vier Themen bekamen wir morgens, die nächsten vier Themen gegen Mittag. Diese Themen gilt es dann fotografisch umzusetzen. Erlaubt ist am Schluss je Thema nur ein Bild. Die Reihenfolge der Themen ist zwingend einzuhalten, Bildbearbeitung tabu, einzige Ausnahmen sind Monochrom und Doppelbelichtung, die aber schon kameraintern eingestellt werden. Das, was auch früher mit analogen Kameras möglich war. Am Ende muss außerdem klar eine Serie erkennbar sein. Also gibt man am Ende des Tages acht Bilder „out of cam“ ab. Das heißt, man fotografiert bewusster, konzentrierter, wählt den Bildausschnitt von vorneherein passend usw.

Man kann als Vorbereitung natürlich sein Auto vollpacken und hoffen, dass irgendetwas brauchbar ist für die Themen, die vorgegeben werden.

Oder aber so wie ich ganz unbedarft an die Sache herangehen. Natürlich habe ich mir zuhause Gedanken gemacht, wie ich an die Sache herangehe. Man, was habe ich mich teilweise verrückt gemacht. Bereut, mich überhaupt angemeldet zu haben. Bis ich mal wieder…so wie auch jetzt, während ich den Text schreibe…nachts nicht schlafen konnte. Und dann habe ich reflektiert. Was fotografiere ich gerne? Was macht mir keine Angst? Womit fühle ich mich wohl, wenn ich die Kamera in der Hand habe?

Und dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass ich gerne Menschen fotografiere. Nicht im Studio, nicht gestellt. Nein, fremde Menschen in ihrer Umgebung. Mit ihren Gefühlen, Stimmungen, in ihrem gewohnten und fremden Umfeld. Ich liebe es, die Menschen zu beobachten und dabei kennenzulernen. Mich faszinieren das Ungewisse, das langsam wachsende Vertrauen und die trotzdem bleibende Distanz.

Und so nahm ich mir vor, egal wie die Themen lauteten, in Düsseldorf einen Obdachlosen zu finden, der bereit ist, mit mir den ganzen Tag umherzuziehen und sich fotografieren zu lassen. Ich war überzeugt davon, dass ich das schaffe!

Und dann kam der Startschuss, wir hörten zum ersten Mal die umzusetzenden Themen:

Oberthema: „WIR FEIERN RHEINISCH“

Die acht Unterthemen:

  1. JEDES LOS GEWINNT!
  2. JUNGER MANN ZUM MITREISEN GESUCHT
  3. BITTE NICHT ZUSAMMENSTOSSEN!
  4. NIE KAUFST DU MIR EIN LEBKUCHENHERZ …
  1. DAS MACHT FREUDE, DAS MACHT SPASS
  2. AUF UND NIEDER – IMMER WIEDER n
  3. WARTEZEIT: AB HIER NOCH 45 MINUTEN
  4. LETZTE RUNDE RÜCKWÄRTS!

Ich schreibe mal lieber nicht wörtlich, was ich da dachte. Ich glaube, das könnt ihr euch nun denken…Was für ein Sch…!

Alle Themen schreien förmlich nach Kirmesmotiven! Boahr, blöder konnte es für mich echt nicht sein.

Als erstes setzen wir uns in ein Café. Die anderen schmiedeten Pläne, ich hielt nur Ausschau nach den Menschen um uns herum. Samstags morgens um zehn Uhr war es in Düsseldorf verdammt leer. Kirmes war auf der anderen Seite des Rheinufers. Toll…Erstens: wie hinkommen zu Fuß? Zweitens: geschlossene Kirmes ist langweilig.

Somit verbrachte ich eineinhalb Stunden damit Menschen anzusprechen. Es sollten ja auch nicht irgendwelche Menschen sein. Einige interessante Leute habe ich gefunden, jedoch war es ihnen zu lang den ganzen Tag mit mir rumzuziehen, sie waren fotoscheu oder oder oder. Und dann kam Marco. Lief mir entgegen, torkelte an mir vorbei. Ich wollte ihn erst nicht ansprechen, aber als er vorbei war drehte ich mich um, lief hinterher und sprach ihn an. Er sagte direkt zu. Ich wusste noch nicht so genau, ob ich damit glücklich war. Er sah mir fast noch zu „normal“ aus. Aber als er sagte, wir müssen erst einmal einkaufen gehen, da merkte ich, hier ist nix „normal“. Einkaufen? Mir war sofort klar, er braucht Alkohol. Es meldete sich die sozialkritische Seite in mir. Wie ist der Tag im Leben eines Obdachlosen in Düsseldorf? Genau das wollte ich doch!

Ich ging neben Marco her zum Rewe. Alleine diese mitleidigen Blicke rüber zu mir von den wenigen anderen  Passanten…das war schon eine Erfahrung. Ich als Frau mit so einem…ja, mit was denn überhaupt? Man konnte förmlich hören, wie die Schubladen in den Köpfen aufgehen und ohne näheres Wissen über jegliche Situation wurden wir eingeordnet. Es ist zum kotzen!

Wir also rein ins Rewe und wieder raus mit zwei Pullen Alkohol. Naja, okay, ich hatte mir dann doch eher ´ne Cola mitgenommen.

Marco hat die ganze Zeit geredet. Ohne Punkt und Komma. Er will doch nur seine Arbeit machen. Ob ich nicht Arbeit für ihn habe. Er will eine Aufgabe. Er will Geld verdienen. Er will wieder eine Wohnung haben. Er will keine Schmerzen mehr haben. Er will doch nur sein Leben. Er lief neben mir her und redete. Zwischendurch bückte er sich und hob Zigarettenstummel auf. Mal zündete er sie sofort an, mal bröselte er die Tabakreste in seinen Tabakbeutel. Ich bin eine Weile einfach nur neben ihm hergelaufen. Habe zugehört.

Bis er irgendwann stehenbleibt und mich fragt, was wir denn nun machen sollen. Dachte ich echt zwischendurch noch, dass ich den Fotomarathon einfach Fotomarathon sein lasse, kommt Marco plötzlich auf den Punkt. Ich erkläre ihm den Ablauf, sage ihm die Themen und er fängt an Ideen zu entwickeln. Dabei setzen wir uns auf eine Bank. Er erzählt plötzlich wieder alles Mögliche aus seinem Leben. Und stockt, sieht etwas, einen Oldtimer und sagt mir genau, welche Marke das ist, welches Baujahr, welche Besonderheiten das Auto hat, sogar welche Schwachstellen es hat und wie es restauriert werden muss.

Das ist nicht das einzige Mal im Laufe des Tages, dass er mich überrascht. Marco weiß Dinge, über die ich nie etwas gehört habe! Zwischendurch komme ich mir dumm vor, soviel Wissen steckt in seinem Kopf. Ich frage ihn, woher er das alles weiß?! Es gibt soziale Einrichtungen in Düsseldorf für Obdachlose, da geht er hin und schaut fern, geht ins Internet, liest und erkundigt sich über alles was er wissen will.

Er spricht auch darüber, dass er Alkohol braucht, um diese Art des Lebens auszuhalten, manchmal reicht der Alkohol aber nicht mehr, dann muss auch schon mal was Stärkeres her. Ganz offen spricht er über die Tabletten, die er sich dann besorgt. Wie sie wirken, welcher Wirkstoff das ist, wie abhängig sie machen, all das weiß er ganz genau.

Und trotzdem geht es nicht ohne. Im Verlauf des Tages merke ich auch warum. So ein Leben erträgt man nüchtern nicht. Und wer jetzt sagt, selbst Schuld, dass man dort landet, dem wünsche ich alles Gute für sein Leben!

Die erste Flasche Alkohol ist mittlerweile fast leer.

Als erstes Thema sollen wir unsere Teilnehmerzahl im Foto inszenieren. Ich habe eine Spraydose mit Wasser dabei. Auf eine Mauer sprayt Marco die Nummer. Währenddessen schreit von weitem jemand, dass er mit dieser Sauerei aufhören soll. Derjenige hat im Grunde natürlich recht gehabt. Wusste er ja nicht, dass es nur Wasser ist. Für mich war es aber die Gelegenheit, Marco in dem Moment zu fotografieren, in dem er sich erwischt fühlt. Zack, erstes Thema ganz zu meiner Zufriedenheit erfüllt.

Das zweite Thema “ Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ ergab sich ganz spontan, als er auf einer Skulptur einen Löwen entdeckt und unbedingt ein Foto von seinem Löwen-Tattoo haben wollte. Ich konnte gar nicht so schnell die Kamera einstellen, wie er schon sein T-Shirt auszog und posierte. Lange stillstehen kann er nicht. Deswegen war ich die ganze Zeit hochkonzentriert, habe sehr genau auf ihn geachtet was er tut, was als nächstes kommen könnte, um fototechnisch darauf reagieren zu können.

Bitte nicht zusammenstoßen“, das Thema konnte ich gleich mit an der Skulptur umsetzen, als er neben dem Totenkopf die Flasche ansetzt. Die Assoziationen lasse ich dem Betrachter bei diesem Motiv völlig frei. Ich denke aber, dass alle zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

Dann liefen wir etwas unschlüssig durch die Gegend. Die nächste Aufgabe fand ich doof. „Nie kaufst du mir ein Lebkuchenherz“…Menno, wer denkt sich so etwas aus? Dabei ist das Ergebnis dann sogar zu einem meiner Lieblingsbilder in der Serie geworden.

Zwei Frauen, die in einem Café saßen und uns beobachteten (unverhohlen kritisch) sprach ich trotzig einfach an, ich weiß gar nicht mehr genau mit welchem Wortlaut. Ich war es leid, ständig nur misstrauisch beäugt zu werden. Ich stellte mir vor, dass das jeden Tag so wäre…wie hält man das aus? Auf jeden Fall entwickelte sich trotz deren anfänglichem Kopfschütteln ein sehr nettes Gespräch. Plötzlich sahen sie Marco anders. Dachten nach und holten ihn aus der Schublade raus. Wurden ihm gegenüber offen. Und daraus entstanden Ideen. Ein angrenzender Designladen wurde uns empfohlen, da hätten sie Lebkuchenmänner gesehen. Das wäre doch passend. Wir also rein in den Laden, das nächste Gespräch kam zustande mit einer sehr netten Verkäuferin, und wir bekamen den Lebkuchenmann aus Jute sogar geschenkt! Marco hat ihn dann nach dem Foto ganz stolz an seinen Rucksack gehängt.

Tja und nun musste ich zum Treffpunkt, um die nächsten Themen abzuholen. Marco wollte aber nicht mit dorthin. Er bräuchte eine Pause und wolle sich seine Tablette besorgen. Die zweite Pulle war übrigens mittlerweile auch leer. Wir machten einen Treffpunkt und eine Uhrzeit aus, er sagte, er würde pünktlich da sein. Was ich denn von ihm halten würde. Das wäre doch wohl selbstverständlich. Ehrlicherweise habe ich gedacht, dass es das nun war. Ich habe mich geärgert, dass ich daran zweifele, war gleichzeitig aber auch wieder sicher, dass er kommt. Diese widersprüchlichen Gedanken in einem…es ist doch echt blöd. Einfach mal optimistischer an die Sachen rangehen, was soll denn passieren, außer dass man scheitert.

Als ich zu dem Treffpunkt für die nächsten Themen kam, hatte ich das Gefühl eine andere Welt einzutauchen. Wie viele Reize sind an diesem Tag schon auf mich eingestürzt. Eigentlich war ich schon fix und fertig.

Die Versorgung und Organisation war aber vorbildlich. Es gab ein paar Snacks und Getränke. Und die nächsten Themen. Mannomann, besser als die ersten fand ich die auch nicht. Egal. Meine Neugier trieb mich zum Treffpunkt, den ich mit Marco ausgemacht hatte.

Mittlerweile war die Altstadt voll. Die ganze Straße stank nach Bier. Dieses wurde auch in Massen konsumiert. Jede Menge Gruppen allen Alters und Geschlechts tranken literweise riesige Gläser gefüllt mit Bier leer. Ist das „Wir feiern rheinisch“? Ich kann gar nicht genau mein inneres Gefühl beschreiben. Ich kam mir vor, als ginge ich in Zeitlupe durch diese Massen. Gelächter und Gejohle dröhnte in meine Ohren. Überall künstlich aufgesetzte Fröhlichkeit.

Hier tobt das Leben! Hier treffen sich die Macher, die die es geschafft haben. Hier wird gezeigt wer man ist, was man hat. Nebenan wird auf der Kö flaniert, der Snob ist hier unterwegs. Alkohol gehört dazu! Hier ist das richtig!

Und dann sehe ich in meinem Inneren Marco neben mir. Sehe förmlich, wie sich alle umdrehen würden zu uns und ihn verächtlich begutachten würden. Fragen in den Blicken:“Was ist denn das für einer?“ Ein Nichtsnutz, Schmarotzer in unserer Gesellschaft, hängt an der Flasche…weg damit!

Und im gleichen Moment kommt die Verachtung in mir hoch für unsere Gesellschaft. Also nichts wie weg hier!

Ich schrieb ja schon, dass Marco die Kippen aufsammelt. Ab und an fragte er rauchende Personen ganz lieb, ob sie eventuell eine Zigarette für ihn haben. Diese abfälligen Blicke, das demonstrative Wegdrehen, es ist ätzend! Weil ich es wissen wollte, habe ich auch mal gefragt…und siehe an, mit freundlichem Lächeln bekam ich eine Zigarette überreicht. Mehr sag ich dazu nicht.

Der Platz, an dem Marco und ich heute Morgen gesessen haben ist nun überfüllt. In der ganzen Stadt gibt es nun Demonstrationen und Informationen gegen und für alles Mögliche.

Ich stehe etwas zu früh dort und komme mir verloren vor. Wieder diese Zweifel…kommt Marco? Finde ich ihn in diesen Menschenmassen? Und dann, genau Punkt zwei Uhr steht er vor mir. „Da bist du ja“ sage ich. „Na klar“ sagt er, „das haben wir doch ausgemacht.“ So einfach geht das. Ich möchte gerne wissen, wieso Marco in diese Situation geraten ist, dass er auf der Straße lebt. Aber komischerweise frage ich ihn das nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das gar nicht wichtig ist.

Er wirkt angeschlagen. Der Alkohol verfehlt seine Wirkung nicht und außerdem hat er sich die Tablette rein gepfiffen.

Er will mir was zeigen. Sein Zuhause. Sein Bett. Ich überlege schon, wie ich in der Obdachlosenunterkunft die Erlaubnis bekomme zu fotografieren. Wir gehen etwas raus aus dem Trubel der Stadt. In Seitengassen, wo er ein paar Leute grüßt und mir erzählt, wer ihn wann verprügeln wollte, wer ihn mit dem Messer bedroht hat wegen Kohle, wer ganz okay ist und vieles mehr. Wir gehen vorbei an seinem „Wohnzimmer“ wie er es nennt. Eine Begegnungsstätte für Obdachlose, wo sie sich waschen können, Fernsehen schauen, soziale Kontakte knüpfen können, Hilfe bekommen, eine Meldeadresse haben, Wäsche waschen können und auch Kleidung bekommen. Ich frage mich, wieso wir daran vorbeigehen. Dachte ich doch, dass er mir genau das zeigen will.

Und dann fällt uns ein, dass wir ja noch die Themen umsetzen müssen. „Das macht Freude, dass macht Spaß“

 

Ich grüble, wenn man so ein Leben führt, was macht dann noch Freude und Spaß? Marco weiß auch nicht so recht eine Antwort, erzählt mir aber dann, dass er gerne Sport macht und bastelt.

Wir treffen eine Gruppe junger Leute, die Spaß haben. Sie tragen alle Anzüge mit Weihnachtsmotiven. Auf einem Bollerwagen ziehen sie einen Weihnachtsbaum hinterher. Sie erzählen uns, dass sie Half Xmas feiern. Heute ist der 24.Juni, und es ist noch ein halbes Jahr bis Weihnachten. Sachen gibt´s.. Das passt doch zum Thema. Sie füllen Becher mit Glühwein und stoßen mit Marco an. Tja…“das macht Freude, das macht Spaß“… Marco kann kaum noch gerade stehen.

Wir verabschieden uns und gehen weiter. Unter einer Brücke bleibt Marco stehen und sagt: „Das ist mein Bett.“ Ohne Emotionen, eine einfache Feststellung. Eine Pappe, die er an die Seite geräumt hat, ist seine Matratze. Auf der anderen Seite schläft sein Kumpel. Ein alter Pizzakarton steht da noch von gestern Abend. Der Rest einer weggeschmissenen Pizza war sein Abendbrot. „Die war lecker!“ sagt er. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag atme ich tief durch und verfluche mich selbst, weil ich viel zu oft vergesse, wie gut es mir doch geht! Verfluchter Mist…warum verschließen wir immer wieder die Augen vor so vielem, was um uns herum los ist. Ziehen uns zurück in unseren Luxus und verurteilen, dass uns andere was wegnehmen könnten. Was sind wir für eine Gesellschaft. Wo ist die Nächstenliebe, gibt es sie noch? Ach was sind wir doch sozial. Und ich weiß in diesem Moment genau, dass auch ich wieder in meinen Wohlstandstrott zurückfallen werde.

Während ich über all das nachsinne holt mich Marco aus meinen Gedanken zurück unter die Brücke. „Was ist das nächste Thema?“ fragt er.

Ich schaue nach. „Auf und nieder, immer wieder“. Irgendwie passend. Wir machen eine Doppelbelichtung. Liegend in seinem „Bett“ und sitzend auf der „Bettkante“… auf und nieder, wie sein Leben.

Das nächste Thema…“Wartezeit: ab hier noch 45 Minuten.“ Ich schaue auf die Uhr 15.14 Uhr. Um 16.00 Uhr ist Aufnahmeschluss beim Fotomarathon. Passt, noch genau 45 Minuten. Marco sitzt da auf seiner Bettkante und wartet auf meine nächste Anweisung. Ich drücke auf den Auslöser. Und nur ich weiß, es sind noch genau 45 Wartezeit bis dieser Marathon endlich ein Ende hat.

Die Jury wird dieses Bild nicht interpretieren können. Die Arbeit in die Metadaten zu schauen werden sie sich nicht machen. Werden sie die ganze Story überhaupt verstehen? Ich glaube nicht. Aber das ist mir sowas von egal…für mich ist plötzlich was ganz anderes wichtig.

Hey“, ruft Marco „eine Aufgabe noch. Was ist das?“ Ihm fallen die Augen zu, er ist vollgedröhnt bis oben hin. „Letzte Runde rückwärts“ Was machen wir da bloß? Ich sehe mich um. Da steht ein Baum. „Halt dich am Baum fest und dreh dich rückwärts im Kreis.“

Das ist unsere letzte Aktion und mehr ist auch nicht mehr möglich. Seine Konzentration und Konstitution habe ich nun mehr als strapaziert. Langsam merke ich ihm eine gewisse Gereiztheit an. Es ist gut, dass alles geschafft ist. Ich weiß gar nicht, ob ich froh bin, was soll ich fühlen? Egal, ich muss zum Abgabeort. Außerdem müssen noch die acht finalen Bilder ausgesucht werden. Ich bin müde, überdreht, überreizt und trotzdem fühle ich mich gut.

Marco und ich verabschieden uns. Er hat tatsächlich seinen Rucksack geschultert und geht zurück in die Stadt. Er bedankt sich bei mir. Und wenn ich Arbeit für ihn hätte, dann soll ich mich doch bitte bei ihm melden. Da springt die Ampel auf Grün und er geht los. Einfach so. Er dreht sich nicht um. Weg ist er. Ich stehe da, sehe ihm hinterher mit meinen aufgewühlten Emotionen und fühle mich einsam.

Was soll´s, ich gehe zurück und gebe meine acht Bilder ab. Mir gefallen sie. Und mir war es noch nie so egal, wie die Bilder anderen Betrachtern gefallen. Diese Bilder sind meine Geschichte.

Wochen später ist die Juryentscheidung gefallen. Wir fahren noch einmal nach Düsseldorf zur Siegerehrung.

Nur die ersten zehn Platzierungen werden bekannt gegeben. Keiner von uns ist darunter. Ich erfahre aber von einem Jurymitglied, dass meine Serie ganz oben immer dabei war und erst recht spät aus den ersten zehn rausgerutscht ist. Marco sieht noch zu gut aus, man vermutete, dass alle Bilder gestellt sind, dass ich meinen Partner einfach mitgeschleppt hätte und der einfach etwas schmuddelig angezogen war. Das brachte mich zum Schmunzeln…

Erst in einer späteren Mail erfuhren wir dann alle unsere Platzierungen. Platz 13, das macht mich schon stolz und gleichzeitig ist es mir immr noch völlig egal. Diese Erfahrung kann man mit nicht mit einer Juryentscheidung bewerten!

Ich wünsche Marco alles Gute für sein Leben! Falls ihn zufällig jemand trifft, grüßt ihn ganz lieb von mir!

Und gebt ihm eine Kippe!

Thomse on Tour wieder da!

Hallo liebe Leser meines Blogs.

Leider ist Thomse on Tour lange leer geblieben. Durch einen Crash ist letztes Jahr der komplette Inhalt des Blogs gelöscht worden. Die Enttäuschung war natürlich groß, es waren ja doch schon über 100 Beiträge zusammengekommen. So langsam habe ich aber wieder neue Motivation und fülle diese Seiten wieder mit Leben. Teils mit einigen alten Beiträgen, aber natürlich auch mit neuen Ereignissen! Nach und nach wächst diese Seite also wieder! Einen besonderen Dank an Frank Rüstig (https://edvs-ruestig.de), der mich immer sehr unterstützt mit dem Aufbau und Erhalt dieser Seite!

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß 😉

Heike